Ist die Inflation tot?

In vielen Industrieländern steigen die Verbraucherpreise seit Jahrzehnten kaum noch. Oft heißt es, die Inflation sei tot – zumindest in den großen Volkswirtschaften. Aber stimmt das wirklich?

Tatsächlich ist die Teuerung in vielen großen Volkswirtschaften im Vergangenheitsvergleich sehr niedrig, und in nächster Zeit dürften der Coronavirus-Ausbruch und die anschließenden Lockdowns den Preisanstieg weiter dämpfen.

Infolge der weithin erwarteten Rezession wird sich die Preismacht der Unternehmen in den nächsten Monaten vermutlich in Grenzen halten. Hinzukommen könnten Preiskämpfe zwischen Firmen, die nach Wochen und Monaten ohne Geschäft ums Überleben kämpfen und sofort nach dem Ende der Lockdowns um Kunden konkurrieren. Aber heißt das wirklich, dass es keine Inflation mehr gibt?

Wir meinen, nein.

Beispiellose Hilfspakete

Viele Regierungen haben auf die Krise mit nie da gewesenen Hilfspaketen reagiert, die zu enormen Haushaltsdefiziten führen werden. Dann sind da noch die Wertpapierkäufe der Notenbanken, die ebenfalls alles Bisherige in den Schatten stellen.

Auch früher haben Notenbanken die Wirtschaft in Rezessionen mit Wertpapierkäufen gestützt, wenn auch in wesentlich geringerem Maße. Dieses Quantitative Easing hat die Inflation steigen lassen und zusätzlich für höhere Inflationserwartungen gesorgt, bei den Verbrauchern wie an den Finanzmärkten.

Das Quantitative Easing und die hohen Haushaltsdefizite, die finanziert werden müssen, sind aber nur zwei der Gründe, weshalb wir mittelfristig mit einem Inflationsanstieg rechnen.

Ist der Höhepunkt der Globalisierung erreicht?

Die Globalisierung und die Exporte der Niedriglohnländer in die Industrieländer haben in den letzten Jahrzehnten für erheblichen Preisdruck gesorgt. Das hat die Inflation in den meisten großen Volkswirtschaften niedrig gehalten. Doch schon vor dem Covid-19-Ausbruch gab es einen gewissen Protektionismus, sei es in den USA, wo Donald Trump gegen eine Reihe von Ländern und Branchen Zölle verhängt hat, oder in Europa – Stichwort Brexit.

Die Coronakrise dürfte solche Tendenzen eher verstärken. Die Gesundheitssysteme vieler Industrieländer leiden unter Materialknappheit und Beschaffungsproblemen, ausgelöst durch Lockdowns in wichtigen Lieferländern wie China und den ostasiatischen Staaten. Die Globalisierung wird daher zunehmend infrage gestellt. Große Industrieländer fürchten die Abhängigkeit von Importen, vor allem in systemrelevanten Sektoren.

Lieferkettenstörungen sind in einer eng vernetzten Welt ein großes Problem. Vergleichen wir einmal die Covid-19-Krise mit 2011, dem Jahr der Nuklearkatastrophe in Fukushima. Dies kann Hinweise liefern, was Lieferkettenstörungen in einer Reihe von Branchen für die Inflation bedeuten. Nach der Katastrophe, die vor allem die Automobilindustrie traf, stieg die Inflation bis Ende 2011 auf 3,2% in den USA[1] und 3,3% in der EU[2]. 2010 hatte die Teuerung gemessen an den Verbraucherpreisdaten der Weltbank nur 1,6% bzw. 1,7% betragen.

Deshalb, und wegen der 2020 besonders großen Auswirkungen auf die Lieferketten, kann man das Risiko einer steigenden Inflation unserer Ansicht nach keineswegs von der Hand weisen.

Wir sind also der Meinung, dass die Inflation nicht tot ist. Vielleicht schläft sie 2020, aber mittelfristig wird sie wohl zurückkehren, und das möglicherweise stärker, als wir es von den letzten Jahrzehnten gewohnt sind.

 

[1] https://data.worldbank.org/indicator/FP.CPI.TOTL.ZG?locations=US&name_desc=true

[2] https://data.worldbank.org/indicator/FP.CPI.TOTL.ZG?locations=EU

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