Erwachsenenbildung: Warum man nie auslernt

Die Ferien sind zu Ende und Schüler und Studenten drücken wieder die Schulbank. Aber auch immer mehr Menschen der älteren Generation wollen sich weiterbilden und vielleicht sitzt der ein oder andere auch demnächst neben Abiturienten im Hörsaal. Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen sind neue Trends.

Der chinesische Philosoph Konfuzius war ein großer Verfechter des Lernens. Schon 500 v. Chr. betonte er, dass wir unser ganzes Leben lang lernen müssen. Von ihm stammt auch der Ausspruch „Man lernt nie aus.“[1]

2.500 Jahre später wird lebenslanges Lernen wird immer beliebter. Es ist eine Notwendigkeit, aber auch eine Chance, die entstanden ist, weil die Menschen länger leben. Und das hat einen einfachen Grund: Unser Lebenszyklus verändert sich. Das Konzept, dass man seine gesamte berufliche Laufbahn im gleichen Unternehmen und Beruf verbringt, verschiebt sich seit den 1980er-Jahren allmählich zu einem Modell mit mehreren unterschiedlichen Berufen, Positionen oder Laufbahnen – oder sogar mit mehreren Phasen des Lernens und der Weiterbildung, das ganze Leben lang.

Und weil wir alle immer länger leben, wird auch das Renteneintrittsalter überdacht und erhöht, sodass wir zudem länger arbeiten. Weil man aber nicht jeden Beruf und nicht jeden Job bis ins hohe Alter ausüben kann, weil er vielleicht körperlich oder geistig zu anspruchsvoll ist, wird das ewige Lernen noch wichtiger, das heißt, wir gehen von einem dreistufigen Leben zu einem mehrstufigen Leben über.

Universitäten für Senioren?

In vielen Ländern bieten die Universitäten Kurse und Weiterbildungsmöglichkeiten für alle Altersklassen an. Das können Teilzeitstudien sein oder Konzepte wie die Open University in Großbritannien, eine Fern-Uni für alle. [2] Die Open University feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und bietet seit dem eine große Auswahl an Kursen mit unterschiedlichen Abschlüssen an.

Außerdem gibt es immer mehr Studiengänge speziell für die älteren Generationen, insbesondere für Menschen über 50.

Hier ist Frankreich der Vorreiter. Die erste Universität für das dritte Lebensalter wurde 1973 in Toulouse gegründet. Jede Fakultät arbeitet dafür eng mit einer Universität zusammen. Mittlerweile gibt es auch in vielen anderen französischen Städten und in anderen Ländern Kontinentaleuropas ein solches Angebot.

In Deutschland sitzen schon seit Jahrzehnten 50- bis 80-Jährige in den Vorlesungen der Universitäten und lauschen begierig den Ausführungen der Professoren. Lange hatten sie den Status von Gasthörern. Die Unis boten älteren Erwachsenenstudenten die Möglichkeit, an Vorlesungen teilzunehmen, ohne Prüfungen ablegen zu müssen oder auf einen bestimmten Abschluss hinzuarbeiten.

Aber das ändert sich: 2006 wurde in Horn-Bad Meinberg die erste Universität für die Generation 50+ eröffnet. Sie bietet gezielt Kurse für ältere Studenten, die mit einem Abschluss enden. [3] Ein anderes Beispiel ist die U3L, die Universität des 3. Lebensalters, die zur Frankfurter Goethe-Universität gehört.[4]

Wettbewerb um Weiterbildung

In China boomen die Universitäten für Senioren bereits seit der Gründung der ersten derartigen Einrichtung im Jahr 1983. Bis 2020 will die Regierung in jedem Kanton mindestens eine Universität für ältere Studenten eröffnet haben. In Schanghai ist die Nachfrage so groß, dass nur jeder sechste ältere Interessent einen Platz erhält. In Hangzhou ist es sogar nur jeder sechzehnte.[5]

Wegen des demografischen Wandels und der längeren Lebenserwartung wird die Nachfrage weiter steigen.

Wenn die Menschen immer länger leben, wird sich auch die Struktur der Erwerbstätigen verändern.

Man könnte davon ausgehen, dass der große Anstieg in der Zahl der Erwerbstätigen in den USA von 1998 bis 2018 insbesondere mit dem boomenden Silicon Valley und Scharen von Hipstern und Nerds zu tun hat. Tatsächlich ist der Anstieg um gut 24 Millionen[6] aber nach Angaben des US Bureau of Labor Statistics zu 85% auf Erwerbstätige über 55 zurückzuführen. [7]

Quellen: Bureau of Labor Statistics (USA), Office for National Statistics (UK) und OECD (Japan und Deutschland).
Quellen: Bureau of Labor Statistics (USA), Office for National Statistics (UK) und OECD (Japan und Deutschland)

 

In Zukunft wird sich dieser Trend noch verstärken. Bis 2024 dürfte die Erwerbstätigenzahl in den USA auf 164 Millionen gestiegen sein. Davon werden gut 41 Millionen 55 oder älter sein.[8]

Zu Beginn des neuen Studienjahres diesen Herbst, denken Sie auch mal an all die über 50-Jährigen, die sich nur zu gerne weiterbilden wollen, aber Probleme haben, einen Studienplatz zu bekommen.

Und wenn Sie zu jenen gehören, die damals die Tage gezählt haben, bis die Schule oder das Studium vorbei waren, um endlich in den Beruf starten zu können, muss ich Sie leider enttäuschen. Früher oder später werden sie wieder auf der Schulbank sitzen.

Man lernt nicht nur nie aus. Lebenslanges Lernen bietet auch viele neue Möglichkeiten.

 

[1] Maureen Tam, The Confucian view of lifelong learning: relevancy to the teaching and learning of older adults, in: Sociological and Philosophical Perspectives on Education in the Asia-Pacific Region, S.193-204.

[2] http://www.open.ac.uk/about/main/

[3] https://www.ezus.org/ueber-ezus/hintergrund/

[4] http://www.uni-frankfurt.de/42584075/home?

[5] https://www.economist.com/the-economist-explains/2018/08/16/why-universities-for-the-elderly-are-booming-in-china

[6] https://www.bls.gov/cps/cpsaat01.htm

[7] Berechnungen auf Grundlage von https://beta.bls.gov/dataViewer/view/timeseries/LNU02024230
1998 waren 16.220.000 über 55-Jährige erwerbstätig, 2018 waren es 36.860.000. Zum Vergleich: Insgesamt waren 1998 131.463.000 Menschen erwerbstätig, 2018 waren es 155.761.000.

[8] https://www.bls.gov/careeroutlook/2017/article/older-workers.htm

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