Deutschland im Blick: Dem Konsum sei Dank

In seiner monatlichen Kolumne schreibt Achim Stranz, CIO, AXA Investment Managers Deutschland, über die deutsche Wirtschaft. Diesen Monat: Dem Konsum sei Dank

Negativzinsen, was wurde darüber nicht schon alles geschrieben. Dass gerade in Deutschland nicht viel davon gehalten wird ist auch weitläufig bekannt. Doch der jüngste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) hat das Thema wieder einmal ins Zentrum gerückt.

Mehr als fünf Jahre nachdem die Bank den Leitzins auf unter Null hat fallen lassen, haben wir seit September die historisch niedrigsten Zinsen in der Eurozone. Banken müssen nun 0,5 Prozent für die Verwahrung von Ersparnissen an die EZB zahlen. Das ist 0,1 Prozent mehr als zuvor.

Solche Schritte sollen die Banken dazu bewegen der Wirtschaft und Bevölkerung mehr Kredite zu schreiben, um die Konjunktur anzukurbeln.

Doch die Ironie in Deutschland ist, dass trotz einer schwächelnden Konjunktur, gerade der Einzelhandel nicht schwächelt. Die privaten Konsumausgaben sind gar eine wichtige Stütze der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Nach einem sehr deutlichen Anstieg von 0,8 Prozent im ersten Quartal erhöhten sie sich im zweiten Quartal weiter um 0,1 Prozent. Allerdings fielen die Umsätze im Einzelhandel ohne Kraftfahrzeuge im Juli im Vormonatsvergleich um 2,2 Prozent.[1]

Ein zusätzliches positives Signal für den Konsum kommt von einem Anstieg in Reallöhnen, also Löhnen minus Inflation. So haben Arbeitnehmer in Deutschland im zweiten Quartal 1,3 Prozent mehr Geld in der Tasche gehabt als im gleichen Zeitraum 2018.[2]

Konsum als Stütze

Die Krux liegt also nicht im Konsum und auch die Baukonjunktur ist nicht das Problem. Die Schwäche der deutschen Wirtschaft hat weiterhin mit einem rückläufigen Welthandel und einer Stagnation der globalen Industrie zu tun. So haben wir schon in den letzten Monaten die Handelsstatistik beleuchtet, sowie den damit zusammenhängeden Rückgang von Auftragseingängen in der verarbeitenden Wirtschaft und Produktionsrückgang im produzierenden Gewerbe.[3]

Zwar hat sich das Handelsbild im Juli etwas gebessert, mit einem leichten Anstieg von Exporten von Waren und Dienstleistungen um 1,7 Prozent im Monatsvergleich, doch das erfolgte von einem abgeschwächten Niveau. Ein Großteil von Unternehmen geht laut den ifo Exporterwartungen weiterhin davon aus, dass wir in den kommenden Monaten keinen Exportzuwachs sehen werden. Die Importe von Waren und Dienstleistungen sanken im Juli um 0,8 Prozent.[4]

Was bringt der Oktober sonst?

Die Handelskonjunktur wird sich wahrscheinlich auch im Oktober nicht erholen. Wie sich Querelen zwischen den USA und China weiterentwickeln, lässt sich nicht festmachen. Und auch der Einfluss von Brexit, der im zweiten Quartal schon zu merklich rückläufigen Exporten geführt hat,[5] wird sich wohl noch weiter hinziehen.

Die Brexit-Saga wird im Oktober erneut in die nächste Runde gehen. Aber was das genau heißt, scheint niemand zu wissen. Fakt ist: Großbritannien soll bis zum 31. Oktober aus der EU ausgetreten sein und Premierminister Boris Johnson hat klar gemacht, dass er das mit oder ohne „Deal“ machen will. Die Opposition, und einige von Johnsons eigenen Parlamentariern, wollten einen „No Deal“ vermeiden und haben den Premier gesetzlich dazu verpflichtet die EU um eine erneute Verlängerung zu bitten. Er hat zudem einen Rechtsspruch des höchsten Gerichts des Landes verloren und die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen in den nächsten Wochen/Monaten sind hoch. Also, weiterhin Unklarheit was hier passieren wird.

Ansonsten wird der Oktober einen Meilenstein für die EZB bringen: Mario Draghi hat nun nurnoch circa fünf Wochen im Amt des EZB Präsidenten bevor die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, am 1. November den Job übernehmen wird.

In Deutschland wird stark über die Klimapolitik diskutiert – auch hier erwarten wir etwas Klarheit im Oktober, bevor im November der nächste internationale Klimagipfel ansteht.

Wichtige Konjunkturdaten für Oktober sind Leitindikatoren für das Wirtschaftsklima, sowie ein Blick auf Industrieindikatoren, wie Produktion und Orderbuch, und Handelszahlen für August.

 

[1] Bundeswirtschaftsministerium, Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im September 2019, https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/Wirtschaftliche-Lage/2019/20190913-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-september-2019.html

[2] FAZ, Die Deutschen haben mehr Geld in der Tasche, https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/realloehne-steigen-deutsche-haben-mehr-geld-in-der-tasche-16394196.html

[3] Achim Stranz, Deutschland im Blick: Eine Rezession rückt näher, 30. August 2019.

[4] Bundeswirtschaftsministerium, Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im September 2019, https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/Wirtschaftliche-Lage/2019/20190913-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-september-2019.html

[5] Ibid.

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